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Dunkle Nacht legt
sich über die Stadt. Jeder, der noch bei Sinnen ist, hat sich längst
in seiner Wohnung verkrochen oder befindet sich in einem Lokal. Nur
einige unglückliche Seelen arbeiten sich ihren mühsamen Weg
nach Hause. Arbeiten gegen den eisigen Wind, gegen die Schneeflocken,
die wie kleine Hochgeschwindigkeitsprojektile umherjagen, um schließlich
im Gesicht eines der Unglücklichen zu landen und diesen mit tausenden
seiner Kollegen fast zum Wahnsinn zu treiben. Fast zum Wahnsinn. Nur
fast. Der Mond scheint hell. Es sind sicher viele Wolken am Himmel, doch keine wagt es den Schein des mächtigen Erdtrabanten abzuhalten. Nicht wenn ich auf der Jagd bin. Es ist ganz Still.
Eine eisige Stille. Ich würde gerne die Gedanken meines Opfers
erfassen, doch ich bin noch nicht mächtig genug. Ich hoffe nur,
dass es in kein Auto einsteigt, bevor ich zuschlagen kann. Es war eine Nacht wie jede andere. Der frisch zum Leutnant beförderte junge Polizist hatte, wie jeden Donnerstag, Streife. In der Nacht. Allein. Er konnte froh sein, seinen Job überhaupt noch ausüben zu dürfen, denn bei der letzten "Personalumstrukturierung" wurde an einigen Dienstposten eingespart. Doch er dachte gerade an andere Sachen. An Weihnachtsgeschenke, Fußballvereine und Porno-Magazine. Er sah den drei Mädchen nach, die sich in einen kleinen Wagen zwängten, um schnellstmöglich der Kälte zu entkommen. Er war ein glücklicher Mensch. Würde ich ihn kennen, ich würde ihn töten. Doch das würde
nicht der Harmonie der Situation entsprechen. Er verbot ein paar Jugendlichen,
die ohne Licht mit dem Rad unterwegs waren, die weiterfahrt. So wie
das jede Nacht einige Male geschieht. In seiner ihm voll bewussten Glücklichkeit
bog er um die Ecke, um eine Störung in der Harmonie seines Tagesablaufes
zu bemerken. Er sah also diese absolut unerwartete Situation auf sich
zukommen, und seine Welt brach zusammen. Er hatte schon seit seiner
Ausbildung auf so etwas gewartet, doch er war in genau dieser Situation
nicht darauf vorbereitet. Ich hörte nur einen Schuss aus dem Westen. Ich drehte mich sofort zu meinen Kollegen um und sie bestätigten mir, dass es keine Einbildung war. Ich deutete dem Funker, dass er alle Streifen anfunken sollte, um vielleicht mehr darüber herauszufinden. Es könnte auch nur ein Böller gewesen sein. Doch man muss auf alles vorbereitet sein. Ich lief sofort mit Ludwig zum Wagen. Er war am Steuer, ich übernahm den Funkverkehr. Ich konnte mit Schwalbe 3 in Kontakt treten, die den Schuss auch gehört hatte. Als wir am Tatort ankamen, bot sich mir ein schreckliches Bild. Eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche, ein paar Meter entfernt der junge Polizist, der hier Streife hatte. Die Pistole halb in den Mund gesteckt und mit einem dreifingergroßen Austrittsloch im Hinterkopf. Er hatte sich anscheinend selbst gerichtet. Im Gegensatz zu der ersten Leiche. Es sieht ganz so aus, als hätte dieser Perverse wieder zugeschlagen...
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